Gesamtschule Hennef

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Die Anatomie AG

Bilanz eines Halbjahres Anatomie AG

Jeden Donnerstag haben wir (neun Schüler und Frau Wentz) uns getroffen und unsere Anatomie erkundet. Anatomie, das ist die Lehre vom „auseinanderschneiden“, „aufschneiden“. Man erforscht mit dieser Wissenschaft den Bauplan der Organismen, ihre Organe und ihr Gewebe bis zu den Zellen.

Die Physiologie hingegen beschäftigt sich mit den Lebensvorgängen. Sie setzt sich damit auseinander, wie das 'Gesunde' funktioniert. Das spannende Thema Pathologie (= Krankheitslehre) haben wir mehr oder weniger ausgeklammert.

Unser erstes Forschungsthema waren die Reflexe. Ein Reflex ist ein Impuls der nur über das Rückenmark läuft, nie über das Gehirn, denn das wäre zu langsam. Das Hirn bekommt aber zumindest eine Information über den Vorgang. Sinn ist es, z.B. beim Sturz das Gelenk zu stabilisieren.

Einer der bekanntesten Eigenreflexe befindet sich am Knie (Patellarsehnenreflex). Man schlägt bei gebeugtem Knie auf die Sehne, in der auch die Kniescheibe liegt. Dann läuft der Reiz über das Rückenmark zum Muskel und der zieht sich zusammen. Folge: der Unterschenkel schnellt nach oben.

Wir hatten einige mehr oder weniger freiwillige Versuchskaninchen, meist Besucher aus anderen AG´s. Obwohl man den Reflex mit der Handkante gut auslösen kann, war der Reflexhammer ein gefragtes Maltrationsobjekt.

Nach dem Reflexhammer wurden dann noch die Stethoskope und Blutdruckmessgeräte ausprobiert, womit wir eigentlich schon beim Thema der nächsten Stunden sind. Die Schüler waren ganz fasziniert, was man mit einem Stethoskop alles hören kann: Herzschlag an verschiedenen Stellen, Atemgeräusche, Bauchgeräusche etc.pp.

Nun wurde es Zeit, für die ersten Präparationsversuche am Schweineherzen. Da nicht alle Schüler die Herzen direkt anfassen wollten, haben wir Chirurgenhandschuhe angezogen. Danach machten sich alle ans schneiden, rupfen, untersuchen, drehen und wenden.

Wir konnten sehr schön die unterschiedliche Dicke der Muskulatur der linken und rechten Kammer sehen. Die linke Kammer war wesentlich größer und der Muskel mehr als dreimal so dick. Leider waren nur noch Lungenarterie und die Herzkranzgefäße zu sehen. Den Rest hatte der Metzger bereits entfernt. In den Herzkranzarterien (Coronararterien) stand noch ein wenig Blut, dass man durch ausstreichen hin und her bewegen konnte.

Verblüffend war, dass man den Vorhof und die Kammer fast gar nicht unterscheiden konnte. Die Segelklappe hing an den Fäden schlaff zur Herzspitze hin und man konnte nur erahnen, wo sie die Kammer vom Vorhof trennt. An der Arteria pulmonalis, der Lungenarterie, konnte man die Taschenklappe sehen. Sie war wie ein feines Häutchen um den Beginn der Arterie herum gespannt.

Wir haben anschliessend gelernt, was Blutdruck ist und wie wir den mit verschiedenartigen Geräten (manuell und automatisch messen können. Unseren Puls haben wir zuerst in Ruhe gemessen (wobei Ruhe bei einigen Schülern immer relativ zu sehen ist!) und dann noch einmal nach 10 Kniebeugen. 

Unsere Fertigkeiten im Blutdruckmessen und Reflexe-Testen haben wir beim Tag der offenen Tür demonstriert. An beiden Tagen fingen wir während des Mensabetriebes an und so kamen auch Schüler vorbei. Sie waren zum Teil interessiert, ließen sich auch manchmal untersuchen, aber manche belächelten uns Anatomen milde.

Es ist wie im richtigen Leben: es kam manchmal 20 Minuten kein Mensch und dann knubbelte es sich wieder. Die Besucher, Eltern wie Kinder konnten sich von uns mit einem Blutdruckmessgerät durchchecken lassen. Das Gerät wird am Handgelenk angelegt und funktioniert vollautomatisch. Alle Patienten hatten super Werte, nur eine Besucherin war etwas aufgeregt und hatte einen ziemlich hohen Puls und Blutdruck. Bei einigen Lehrern und auch Eltern konnten wir anhand des niedrigen Pulses sagen, dass sie anscheinend viel Sport machen. Der niedrigste Wert lag knapp über 50 – normal ist ca. 75.

Wir haben den Besuchern die Reflexe erklärt und anschließend getestet. Am einfachsten geht das immer mit dem Patellarsehnenreflex, also dem am Knie! Die Besucher wurden angeleitet und konnten dann auch selbst mal den Reflexhammer schwingen.

Als nächstes Thema kam die vergleichende Anatomie dran. Wir haben uns mit verschiedenen Tierarten, wie z.B. Kaninchen, Meerschweinchen, beschäftigt - allerdings theoretisch, denn praktisches Anschauungsmaterial war aus verschiedenen Gründen tabu.

Das Hasen keine Rudeltiere sind, konnte keiner glauben. Das ist aber einer der Unterschiede zum Kaninchen, die Rudeltiere sind. Die Jungen kommen im Gegensatz zu Hasen nackt auf die Welt - Hasen sind Nestflüchter und werden fix und fertig geboren! Äußerlich kann man Hasen an den sehr langen Ohren erkennen. Hasen sind nie domestiziert worden und so sind alle unsere häuslichen Hoppelmänner Kaninchen. Die meisten Schüler hatten angenommen, dass Hamster ebenfalls Rudeltiere sind. Sie sind aber strenge Einzelgänger.

Wir haben ein Tier, dass alle gut kennen, sehr ausführlich besprochen – den Hund. Einen kompletten Untersuchungsgang von den Ohren bis zur Schwanzspitze haben wir durchexerziert, bis es dann an praktische Übungen ging. Hierzu fuhren wir in die Tierarztpraxis von Frau Dr. Beate Stolz. Sie brachte Ihre beiden Hündinnen Kara und Momo als Untersuchungsobjekte mit.

Im Hundemaul konnten wir die einzelnen Zähne identifizieren. Da waren die Schneidezähne, die bei Kara noch die typischen Welpenkappen hatten. Bei Momo sah man den Zähnen das Alter und die Beanspruchung an. Der Fangzahn ist der Eckzahn, auch Caninus genannt. Und der ist schon mächtig groß. Das ist aber noch nichts im Vergleich zu den riesigen Reißzähnen.

Wir haben an Momo und Kara am /innenschenkel des Hinterbeins den Puls gefühlt. Das ging problemlos. Dann konnten wir mit Stethoskopen die Herztöne hören. Sogar den Herzspitzenstoß konnte man fühlen.

Die Hunde waren die ganze Zeit über total entspannt. Wir haben es alle geschafft, den Patellarsehnenreflex am Knie auszulösen. Wären die Hunde nicht entspannt gewesen, hätte das nicht geklappt. Und da kann man den Hund auch nicht bitten, die Hände zum Jendrassik-Handgriff zu verhakeln.

Wir konnten bei Momo den Nickhautreflex sehen. Sie machte das Auge immer zu, wenn man mit dem Finger nahe kam. Den Zwischenzehenreflex fanden die Hunde nicht so toll. Wenn man zwischen die Zehen zwickt, ziehen sie die Pfote zurück. Das ist aber wichtig, denn man kann bei Ausfällen dieses Reflexes etwas über die Nerven des Beines sagen.

Weitere Präparationen an Schweineteilen standen auf dem Unterrichtsplan. Erstes Forschungsobjekt war ein Schweinebein. Anfangs war es komisch, sogenannte "Schnitte" zu legen, die Haut abzuziehen und das darunter liegende Gewebe zu betrachten. Aber dann überfällt einen die Neugierde und man will immer mehr wissen.

Als erstes haben wir Sehnen und ganze Sehnenbündel in ihren Führungsschienen betrachtet. Muskeln sind an einem Schweinefuß kaum vorhanden. Manchmal haben wir ein Gefäß und mit etwas Glück noch ein Fitzelchen Blut darin gefunden.

 

Wir fanden eine seltsame wässrige, etwas bräunlich-gelbliche Flüssigkeit. Wenn man wissen will was einem da so entgegen kommt, muss man immer sehen in welcher anatomischen Struktur man gerade schneidet. Die war schnell bestimmt und stellte sich als Gelenkkapsel heraus. Beim Anschneiden war Gelenkflüssigkeit ausgetreten.

Gelenke sind wirklich interessant. Sie funktionieren im wahrsten Sinne des Wortes reibungslos, denn die Gelenkflächen sind aalglatt. Man kann am Schweinefuss alles noch richtig bewegen. Das Knochenmark sah laut Aussage eines Schülers aus wie Erdbeereis. Na, da sind die Geschmäcker wohl verschieden. Unter einem der Zehen haben wir einen Schnitt gelegt und konnten die Fettpolster erkennen, die dem Schwein ein bequemes Laufen garantieren.

Danach haben wir und die Anatomie diverser Organe eines Schweins angesehen. Erst mal mussten wir schauen, was da überhaupt in unserer Sezierschale gelandet ist. Die Leber konnte man sofort an ihrer Farbe und Konsistenz erkennen. Einfach zu erkennen war auch die Luftröhre mit ihren Knorpelspangen. Der Kehlkopf war ziemlich groß und der Kehldeckel stach aus dem Wust in der Sezierschale klar hervor. Nachdem er eröffnet war, sah man sehr gut die Stimmritzen. Durch bewegen des Kehldeckels wurde deutlich, wie die Luftröhre gegenüber der Speiseröhre abgedichtet werden kann damit kein Essen in die Lunge flutscht.

Die Zunge ist ein ziemlich langweiliges Organ, wenn man es aufschneidet. Sie besteht einfach nur aus Muskelgewebe. Aber die Oberfläche mit den Papillen ist interessant anzusehen. Diverse Gefäße, ein bissl Muskelgewebe und manchmal auch nicht definierbare Sachen waren dabei. Insgesamt war es eine recht blutige Angelegenheit und wir haben früh Schluß gemacht, um ordentlich zu Lüften, Tische und Boden zu wischen und die Mülltüten mit Fleisch in den Container zu bringen.

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