Das „Tamar Projekt“ – Presseveranstaltung „ work in progress“

Das „Tamar Projekt“ – Presseveranstaltung „ work in progress“

Erklären – Erzählen – Erleben: Stationen einer Rettung

Sechs Jahre lang konnte Tamar Dreifuss als Zeitzeugin über die Verfolgung der Juden durch die Nationalsozialisten zu unseren fünften Jahrgängen sprechen. Für ihr großes Engagement, mit dem sie die Erinnerung an die Verfolgung und Ermordung der Juden wachhält, wurde Tamar Dreifuss 2020 mit dem Bundesverdienstkreuz sowie dem Giesberts-Lewin-Preis ausgezeichnet.

Solche Veranstaltungen, die eigentlich nicht zu ersetzen sind, aber jetzt ersetzt werden müssen, da Frau Dreifuss nach München gezogen ist und der Weg zu uns nun zu weit und zu beschwerlich ist. Das ist schnell geschrieben, zeigt aber nicht unsere Sorge. Unsere Sorge darüber, dass wir erst einmal keinen Weg kennen, wir wir junge Menschen in Zeiten eines alltäglich gewordenen Antisemitismus eine ebenbürtige Veranstaltung bieten können.

Das Projektteam aus fünf Lehrern (Marcus Bank, Barbara Dreymann, Sophia Hose, Christiane Liedtke Hubertus Luke, Antje Timmer) und drei Schülerinnen und Schülern (Maria Boden, Marvin Limbach, Florian Trost) entwickelte und schuf daher ein begehbares Objekt, das ein Modell des Ghettos in Wilna zeigt und in dessen Innerem in sieben Räumen (Häusern) die Stationen der Flucht und die Rettung Tamars angedeutet werden.

Per Audioguide werden die Kinder über einen authentischen Dialog zwischen Tamar und unserem Schüler Maximilian Giesen, 7E, von Tamar von Raum zu Raum geführt werden. Diese Räume werden nur sehr reduziert ausgestaltet, um der Phantasie und Vorstellungskraft der Kinder Freiraum zu geben.

An den malerisch gestalteten und zukünftig mit zeitgenössischen Plakaten versehenen Außenwänden der Skulptur vermitteln Infotafeln auf kindgerechte und anschauliche Weise historische Fakten.

Mit diesem Dreiklang aus Erklären- Erzählen – Erleben hoffen wir, unseren jungen Schülerinnen und Schülern ein Angebot zur Identifikation, Empathie und Information zu machen, mit dem sie eine Haltung entwickeln können, die sie vor antisemitischen Parolen schützt und sie stärkt.

Tamar begleitet unser Projekt fast täglich und von ihr kam immer wieder die Aufforderung „Ihr müsst raus damit, ladet die Presse ein – die Leute müssen sehen, was da entsteht, es ist wichtig“.

Am 24. Juni 2021 war es so weit: im Atelier, im Gymnastikraum über der Sporthalle begrüßte die Schulleiterin Diane Wiebecke die Gäste, zu denen natürlich zugeschaltet, Tamar Dreifuss, die Lehrer Micky Merz und Norbert Grimme vom Hansa Gymnasium aus Köln, der Lehrerkollege Eberhard Schulz, auch aus München zugeschaltet, unsere Schulpflegschaftsvorsitzende Ute Kaiser-Berger, der didaktische Leiter Heinz Wegmann und natürlich das Projektteam sowie interessierte KollgenInnen gehörten. Besonders bedanken möchten wir uns auch für die ausführliche Berichterstattung von Ralf Rohrmoser von Glasow im Rhein-Sieg-Anzeiger und der Kölnischen Rundschau.

Inspiration zu unserer begehbaren Skulptur war ein Bild von Samuel Bak, „Ghetto“ von 1976, das in bedrückender Weise die Atmosphäre und das Leiden der hermetisch abgeriegelten und gebrandmarkten, um ihr Leben fürchtenden Menschen im Ghetto von Wilna vermittelt. Samuel Bak ist ein bekannter Künstler in Boston und der Cousin von Tamar. Seine guten Wünsche zu unserem Projekt in seiner Email vom 22.06.2021 haben uns sehr gefreut.

Der Höhepunkt der Veranstaltung war Tamars spontaner Vortrag zu unserem Projekt. Dies war für alle Gäste sehr beeindruckend. Tamars Worte bei der Verabschiedung: „Die Kinder müssen dieses Projekt sehen, ich bin so froh, dass ihr das gemacht habt. Zur offiziellen Eröffnung komme ich irgendwie. Dann gibt es ein Wiedersehen für uns alle!“

Von Christiane Liedtke