Abschlussfahrt nach London

Abschlussfahrt nach London

Montagmorgen, um halb sechs: Der Großteil des Jahrgangs hatte sich bereits auf dem Parkplatz der Mehrzweckhalle versammelt. Alle hatten sich möglichst bequem für die bevorstehende Busfahrt gekleidet und waren mit Snacks und Kissen bestens ausgestattet. Unsere Tutorinnen checkten die Anwesenheitslisten und dass auch ja jeder den Reisepass dabei hat!!! Als sich dann alle auf die zwei Busse verteilt hatten, fiel auf, dass sich die Tutorenkurse gemischt hatten. Es gab ein ziemlich großes Hin und Her bis endlich alle Pässe dort waren, wo sie hingehörten. Besonders da einer unserer Mitschüler beim Pässesammeln helfen wollte, seinen eigenen Pass aber behielt. Bis dieser Fehler aufgedeckt wurde, vergingen bereits Minuten. Nachdem noch einmal durchgezählt wurde, ging es endlich pünktlich um 6 Uhr los. Auf nach London! Dank der frühen Uhrzeit verlief die Busfahrt sehr schläfrig. Jeder schlief auf seinem mitgebrachtem Kissen oder notfalls auch auf dem Sitznachbarn, aber leider nur im Zweistundenrhythmus, da immer eine dreißigminütige Pause eingelegt werden musste. An den Autobahnraststätten kam es dann jedes Mal zu einem Stau an den Sanitäranlagen. Auch nutzte man die Gelegenheit, um mit den Schülern aus dem anderen Bus zu quatschen.

Wegen eines Staus und dem Anfahren eines falschen Hafens, mussten wir auf eine Fähre später warten. Also holten die Jungs ihren Fußball aus der Tasche und vertrieben sich ihre Wartezeit. Bei der Passkontrolle wurden alle Pässe wieder an uns Schüler verteilt und wir mussten einzeln durch die Kontrolle, während auch unser Bus kontrolliert wurde. Endlich auf der Fähre verteilten wir uns alle an die Tische oder an Deck. Unsere Tickets beinhalteten eine Gratismahlzeit. Nur waren wir leider nicht die einzigen mit diesem Ticket und so verbrachten viele von uns die Fahrt mit dem Anstehen an der Warteschlange.

Auf unserer letzten Etappe nach London waren wir etwas wacher, und im Hintergrund lief leise Musik. Nach 14 Stunden Fahrt kamen wir endlich an. Leider gab es pro Zimmer immer nur einen Schlüssel, was viel Organisation unsererseits in der gesamten Woche erforderte.

Um 22:30 Uhr Londoner Zeit wurden die Zimmer kontrolliert. Es waren noch einige außerhalb essen, aber die meisten waren erschöpft von der langen Fahrt.

Nach einem sehr britischen Frühstück, das aus Toast, Rührei, Speck und Bohnen bestand, teilten wir uns alle in unsere Tutorenkurse für einen Stadtrundgang auf, den unsere londonbegeisterte Englischlehrerin Frau Dorr für uns zusammengestellt hatte. Mit unserem London Ticket fuhren wir zu unserer ersten Station, dem Buckingham Palace. Wir spazierten durch den Sankt James Park, sahen die Westminster Abbey und hörten das Glockenspiel des Big Bens. Zu jeder Sehenswürdigkeit wurde ein kurzer vorbereiteter Vortrag gehalten. Danach drehten wir eine Runde auf dem Trafalgar Square und merkten, wie der Tag immer schwüler und die Füße immer erschöpfter wurden. Als dann Nachricht kam, dass es auch den anderen Kursen so erging, brachen wir unseren Rundgang kurzerhand ab. Uns wurde bis zum Nachmittag freigegeben, denn um 15:00 Uhr besuchten wir alle ein bekanntes Museum von London. Zur Auswahl standen das Natural History Museum, die National Gallery und das Science Museum. An diesem Tag hatten wir bis 23:30 Uhr Ausgang, was einige von uns an der Tower Bridge feierten.

Am Mittwochmorgen zogen wir gebündelt als ganzer Jahrgang los zum Camden Market. Dort wurden wir auch sogleich von unseren Lehrerinnen entlassen und liefen in Grüppchen über den Markt oder nahmen die Underground zu einem anderen Ort. Um 14:00 Uhr trafen sich die Kurse von Frau Dorr, Frau Kesseler, Frau Seelbach und Frau Essen im Globe Theater zu Shakespeares „As you like it“. Viele der Kurse nutzen diesen Abend, um als Tutorenkurs zusammen essen zugehen. Um 19:30 Uhr waren die anderen Kurse von Frau Warning, Frau Weinitz und Frau Wäschenbach an der Reihe, ins Theater zu „Macbeth“ zu gehen. Das Open Air Theater hatte übereinander angebrachte Tribünen zum Sitzen und kreisförmig zur Bühne einen großen Platz zum Stehen. Unsere Tickets erlaubten uns nur die Stehplätze, was an einem langen Tag in so einer großen Stadt wie London durchaus anstrengend war. Das Theaterstück von Shakespeare wurde sehr kreativ gestaltet. Die Schauspieler trugen moderne Kostüme, die das Stück in unsere Zeit verlegten, aber konträr zu der alten und komplexen Sprache Shakespeares standen. Leider ist das ausgerechnet für Nicht-Muttersprachler extrem schwer zu verstehen. Irritierend waren auch die Situationen, bei denen das ganze Publikum lachte, aber wir den Witz nicht wirklich verstanden haben. Besonders auffällig war das, als ein Schauspieler, seine Witze über den Hut unseres Mitschülers riss und niemand von uns verstand, was er dazu gesagt hatte. Dennoch war es viel besser, ein Theaterstück zu sehen, auch wenn man wenig versteht, als es lesen zu müssen und es nicht zu verstehen. Die verkleideten Schauspieler, die immer mal wieder durch die Menge gingen, gestalteten es aber abwechselnd genug, um nicht wegen des langen Stehens umzukippen.

Unseren letzten Tag in London durften wir frei gestalten. Einige fuhren noch einmal zum Camden Market, andere besuchten wieder Sehenswürdigkeiten oder Freunde und wieder andere setzten sich einfach mal in den Park und erholten sich den vielen Eindrücke der letzten Tage.

Ein Highlight für viele war an diesem Abend die Karaoke-Bar. Es war eine sehr gemütliche und traditionelle Bar, wobei der Großteil der Besucher an diesem Abend aus unserem Jahrgang kam. Durch das Programm führte uns eine Drag Queen, die richtig super drauf war. Es war ein Abend, an dem egal war, was andere über uns denken würden, an dem wir einfach drauf los sangen und tanzten. Frau Wäschenbach, Frau Dorr und Frau Kesseler sangen extra ein Lied für uns. Der krönende Abschluss war, als wir alle zusammen „99 Luftballons“ sangen. Das Lied hatte unsere Drag Queen extra für uns ausgewählt, um seine „German People“ zu würdigen, da wir mit Abstand die meisten Lieder an diesem Abend gesungen hatten.

Danach ging es für viele noch spannend weiter. Man verbrachte den letzten Abend im nächtlichen London gemeinsam an der Tower Bridge oder durfte die spektakuläre Collage Rave Szene erleben.

Da muss man auch nicht weiter erklären, weshalb am Freitagmorgen zum Frühstück eher die wenigsten erschienen. Dennoch waren alle pünktlich um 8 Uhr im Bus und wir verließen das Londoner Verkehrschaos. Auch die Rückfahrt legten die meisten von uns schlafend zurück. Als wir auf der Fähre waren, hatten wir von der Hinfahrt gelernt und uns sofort an die Schlange der Essensausgabe angestellt. Die Schifffahrt verging wie im Flug und plötzlich waren wir wieder in der Europäischen Union. In den letzten zwei Stunden kam dann ein wenig Leben in den Bus. Ein Schüler hat seine kleine JBL-Box mitgebracht und nahm Musikwünsche an. Als unsere Tutorinnen sich das Lied „Ich hab’ einen Delfin in meiner Bauchtasche“ wünschten und sich beschwerten, dass die Musik viel zu leise ist, holte sich der Busfahrer unseren DJ nach vorne, sodass er sein Handy mit den Boxen des Busses verbinden konnte. Der ganze Bus dröhnte von unserer Musik und auch die letzten waren jetzt wach. Dazu kam es, dass es draußen schon finster war und der Bus sein blaues Nachtfahrlicht anhatte. Es war eine unglaublich gemütliche Atmosphäre, die unterstützt wurde, als der gesamte Bus zu Ed Sheerans „Perfect“ mitsang und die Handkameras nach oben hielten. So verlief auch der Rest der Fahrt sehr schnell und wir verließen den Bus, auch wenn wir traurig waren, dass unsere Fahrt vorbei, mit dem Gefühl, sehr viele glückliche Erinnerungen gesammelt zu haben.

Zum Abschied möchte ich ein großes Dankeschön an alle ausrichten. An unseren Jahrgang und dass man eine so schöne Zeit mit euch verbringen konnte. An unsere Busfahrer, die super gut drauf waren, Witze rissen und uns heil nach London und wieder zurückgebracht haben. Ein großes Dankeschön an Herrn Jansen, den einzigen männlichen Begleiter und Nicht-Tutor. Und auf jeden Fall an unsere Tutorinnen Frau Dorr, Frau Kesseler, Frau Seelbach, Frau Essen, Frau Warning, Frau Weinitz und Frau Wäschenbach, die monatelang unsere Abschlussfahrt (Entschuldigung, ich meine natürlich Studienfahrt) vorbereitet und geplant haben und diese Zeit erst möglich gemacht haben. Vielen Dank!!